An der Innsbrucker Universitätsklinik für Neurochirurgie (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Claudius Thomé) erhalten Patienten nach großen Schädelöffnungen eigens angepasste Schädelknochenimplantate.
„Die bisherigen Ergebnisse waren aus ästhetischer Sicht für die Patientinnen und Patienten oft nicht zumutbar“, bringt Dr. Claudia Unterhofer das Problem klar auf den Punkt. Wenn NeurochirurgInnen bei PatientInnen den Schädel öffnen müssen, dann wird versucht das entnommene Stück nach der Operation wieder einzusetzen. Nach Unfällen, oder Entzündungen ist das allerdings nicht immer möglich, da das Knochenstück beschädigt oder durch die Entzündung verunreinigt ist. Meist wird der offene Teil der Schädeldecke dann mit einem speziellen Zement verschlossen. Diese Methode ist allerdings nicht ideal, erklärt Dr. Unterhofer: „Da die Patienten meist auf der Seite liegen entsteht eine unnatürlich Delle, die in keiner Weise der natürlichen Schädelform entspricht. Zum anderen wird das Material beim Aushärten sehr heiß.“
High-Tech für PatientInnen
Dr. Michael Verius ist Physiker an der Innsbrucker Universitätsklinik für Radiologie und hat gemeinsam mit Dr. Unterhofer die Initiative ergriffen. „Wir arbeiten quasi auf Bestellung“, erklärt Dr. Verius. „Wenn ein Neurochirurg ein Schädelimplantat braucht, dann rekonstruieren wir den Kopf mittels einer eigenen Software aus CT-Bildern des Patienten, füttern unseren 3D-Drucker mit diesen Daten und die Maschine druckt dann ein dreidimensionales Modell des Schädels aus“. Wenn das fehlende Schädelstück nur eine Seite betrifft, dann kann mittels Computer die zweite Schädelhälfte zur Rekonstruktion gespiegelt werden. Die Besonderheit in Innsbruck ist die Rekonstruktion großer Schädelteile, die über die Mittellinie des Kopfes reichen. „Wir haben hier aus einer Datenbank mit unzähligen Schädel-CTs Mittelwerte errechnet und können auch bei derart großflächigen Rekonstruktionen den Patientinnen und Patienten wieder ein natürliches Aussehen geben“, erklärt Dr. Verius.
In der Neurochirurgie wird dann der medizinische Zement auf das Modell aufgebracht und kann komplett aushärten, ohne dass die Hitzeentwicklung eine Rolle spielt. Die Chirurgin hat außerdem Zeit den Schädelknochen korrekt zu rekonstruieren, ohne den Zeitdruck im OP. „Ein weiterer Vorteil ist, dass wir jederzeit ein neues Implantat herstellen können, falls der Patient ein neues brauchen sollte. Das Modell bleibt erhalten und kann jederzeit wieder sterilisiert und im OP verwendet werden“, erklärt Dr. Unterhofer.
Flexibilität und Kosteneffizienz dank eigener Ressourcen
Knapp 50 PatientInnen haben bisher von dieser einzigartigen Methode profitiert, „ohne eine einzige Komplikation“, betont Dr. Unterhofer nicht ohne Stolz. „Vor allem, dass wir mit TILAK-eigenen Ressourcen die Implantate kostengünstig und hochqualitativ herstellen können, ist eine Besonderheit“, betont Dr. Verius. Es gibt zwar Firmen, die derartige Knochenimplantate liefern, allerdings ist hier die Wartezeit lange, die Implantate sind teuer und sollte mehr als eines benötigt werden, dann muss man nachbestellen. „Außerdem müssten wir sensible Patientendaten verschicken, was auch nicht ideal ist“, erklärt Dr. Unterhofer. „Die bestellten Implantate sind zudem unter anderem aus Titan und dieses Material kann im OP nicht nachbearbeitet werden. Wir sind mit unserer Technik derzeit tatsächlich Vorreiter bei der Herstellung und Implantation großer Schädelteile.“

Bildnachweis: Universitätsklinik für Neurochirurgie
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